Stadtwikis bündeln Vor-Ort-Wissen für Flüchtlinge und Helfer

Stadtwikis bündeln Vor-Ort-Wissen für Flüchtlinge und Helfer

„Geht doch!“ – so lautete das Motto der Tagung „OffeneKommunen.NRW“ am Samstag/Sonntag, 14./15. November 2915, in Wuppertal. Die zweitägige Veranstaltung in den Räumen der Bergischen Volkshochschule im Stadtteil Elberfeld war zugleich Anlass eines bundesweiten Treffens von OpenKnowledge.Labs und Austragungsort eines Refugee Hackathons. Die Deutsche Stadtwiki-Gesellschaft zur Förderung regionalen Freien Wissens steuerte ein Wiki-Camp zum Gesamtangebot der Veranstaltung bei.

Bei dem Hackathon, der den gesamten zweiten Veranstaltungstag einnahm, ging es darum, die in Deutschland lebenden Flüchtlinge und ihre ehren- und hauptamtlichen Helfer durch Websites und die Programmierung von Smartphone-Apps und anderen Computerprogrammen zu unterstützen. Als bislang unzureichend beachteter Aspekt bei den technischen Hilfsangeboten erwies sich dabei die Generierung von qualifiziertem lokalem Content.
Matthias Bock, Referent der Piratenfraktion im nordrhein-westfälischen Landtag, forderte deshalb, Helfer und Initiativen müssten in die Lage versetzt werden, Informationen in ein System einzuspeisen, das keine besonderen technischen Kenntnisse und Fähigkeiten verlangt. Mit gezieltem Crowdsourcing müsse relevanter Content gebündelt werden, damit haupt- und ehrenamtliche Helfer, aber auch die Flüchtlinge selbst ihn abrufen und nutzen können. Flüchtlinge würden beispielsweise häufig nach den Standorten von Supermärkten in der Umgebung ihrer Unterkünfte fragen, nach türkischen Läden, in denen sie ‘erlaubte’ (halal) Lebensmittel kaufen können, nach Arabisch sprechenden Ärzten und Angeboten, günstig mit der Familie in der Heimat telefonieren zu können.

Bereits das Eröffnungsplenum des Hackathons machte deutlich, dass Stadt- und Regionalwikis an dieser Stelle wertvolle Hilfe leisten können, weil sie bereits über Content verfügen, der mitunter über Jahre aufgebaut wurde. Außerdem seien diese Wikis bereits in ihren jeweiligen Städten und Regionen bekannt, und sie würden bei der Google-Suche weit oben in den Trefferlisten angezeigt und sie hätten ehrenamtliche Redaktionsteams, die seit Jahren eingespielt seien.

Eine anschließende Session zu diesem Thema ergab dann, dass eine Reihe von Stadt- und Regionalwikis angesichts der drängenden Flüchtlingsthematik in den vergangenen Monaten bereits Portale zu diesem Thema eröffnet hat. Dazu gehören etwa das Wulfen-Wiki für Alt-Wulfen und Wulfen-Barkenberg in Westfalen und das Wuppertal-Wiki, das AW-Wiki für den rheinland-pfälzischen Landkreis Ahrweiler, aber auch das Wiki der Salzburger Nachrichten für das österreichische Bundesland Salzburg. Für Jena, Kiel und die Wuppertaler Nordstadt wurden eigenständige Flüchtlingshilfe-Wikis eingerichtet. Während der Session wurde auch über eine bundesweite Vernetzung der Flüchtlingshilfe-Wikis und -Portale angeregt.

Am ersten Veranstaltungstag der Tagung “Offene Kommunen.NRW” hatte Friedel Völker, Vorsitzender der Deutschen Stadtwiki-Gesellschaft, die Entwicklung der Stadt- und Regionalwikis in Deutschland und Europa nachgezeichnet. Außerdem skizzierte Völker die Entwicklung der vor zehn Jahren gegründeten Stadtwiki-Gesellschaft.

Anton Simons stellte im Rahmen einer Session beispielhaft das AW-Wiki vor, das zweitgrößte deutsche Stadt- bzw. Regionalwiki. In einer zweiten Session zeigte er an konkreten Beispielen, wie die Redaktionen lokaler Tages- und Wochenzeitungen, aber auch freiberufliche Lokaljournalisten und Betreiber lokaler und regionaler Weblogs von Stadt- und Regionalwikis nutzen können, um die Qualität ihrer Artikel zu steigern und um effektiver zu arbeiten.

Die Gesellschaft für Wissensmanagement und das WupperWiki unterstützten die Veranstaltung finanziell und ideell. Stephan Tanneberger, Initiator und Motor des WupperWikis, gehörte zum Organisationsteam des Camps. Sein Thema war die Förderung von Stadtentwicklungsprozessen durch Wikis.

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